Wie werden unsere Bambusfahrräder eigentlich hergestellt?

Manufaktur

04.01 Geometrie festlegen

Ein Rad, das alles kann, gibt es nicht. Daher gilt es immer zunächst zu entscheiden, wo das Rad vorwiegend gefahren werden soll und welche Art von Rad zu diesem Zweck am besten geeignet ist. Rennrad, Crosser, Trekking, Holland, MTB oder Laufrad?

Bei der Auswahl der Komponenten können wir auf eine Standardauswahl zurückgreifen oder individuelle Wünsche bedienen. Reifengröße und Gabel haben Einfluss auf die Rahmengeometrie, Art der Schaltung und Bremsen beispielsweise müssen dann im weiteren Fertigungsprozess berücksichtigt werden.

Die Rahmenlehre erlaubt es uns jede Art und Größe individuell neu zu erstellen, bekannte Geometrien zu übernehmen oder nach spezifischen Wünschen anzupassen. Hierfür wird dann eine Zeichnung angefertigt, auf die die Rahmenlehre aufgesetzt wird.

04.02. Bambus auswählen

Bambus ist ein sehr robuster und vielseitig einsetzbarer Werkstoff, dennoch sind von den über 1000 bekannten Arten nur einige für den Fahrradbau geeignet. Bevorzugt werden relativ langsam wachsende Hölzer aus Hochlagen, die eine homogene Zellstruktur entwickeln und dadurch besonders stoßunempfindlich sind. Ähnlich wie bei der Herstellung heimischer Konstruktionshölzer ist eine kontrollierte, gleichmäßige Trocknung von der Ernte bis zur Verarbeitung für die Qualität entscheidend.

Nach Berücksichtigung der konstruktiven Anforderungen, verbleiben verwendbare Arten, die sich in ihrer Erscheinung stark unterscheiden und zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten bieten.

Wir empfehlen unter anderem die Arten: Tutul (Tigerbambus), Nigra, Tonkin, Boryana und Moso.

04.03. Rahmenlehre einstellen

Für jeden Rahmen gibt es vier Fixpunkte:
– Steuerrohr (in das später die Gabel eingepresst wird)
– Sattelrohr
– Tretlager
– Ausfallenden (für die Hinterradaufnahme)

Diese Metallteile werden gemäß der zuvor erstellten Zeichnung in die Rahmenlehre eingespannt. Nun gilt es die Bambusrohre abzulängen, in der gewünschten Lage zu positionieren und mit einer Expoy-Spachtelmasse zu fixieren.

04.04. Spachteln, Schleifen, Kleben

Nach dem Austrocknen kann der Rahmen aus der Lehre genommen werden und es beginnt der zeitintensive Teil der Fertigung. Die Qualität des Rahmens hängt maßgeblich von der Qualität der Verbindungen ab. Um dem Gewebe den bestmöglichen Untergrund zu bieten, wird mehrfach Spachtelmasse aufgebracht und nach der Austrocknung beigeschliffen.

04.05. Gewebe fixieren

Unsere Verbindungen stellen keinen Glasfaser-verstärkten- Kunststoff (GFK) wie bei Carbonrädern, sondern einen Naturfaser-verstärkten- Kunststoff (NFK) dar. Vereinfacht ausgedrückt verhält sich dieser Mehrkomponentenwerkstoff ähnlich wie Stahlbeton. Die Naturfasern tragen wie der Stahl die Zugkräfte und der ausgehärtete Kunstharz wie der Beton die Druckkräfte ab.

Bei den Naturfasern gibt es mehrere Produkte, die verwendet werden können. Neben grobem Baumwoll- und Hanfgewebe haben wir zuletzt auch Bark Cloth von Barktex verbaut. Um die erforderliche Festigkeit zu erzielen werden mindesten drei Gewebelagen in wechselnder Faserrichtung gegeneinander verlegt.

04.06. Kleber einpressen

Im nächsten Arbeitsschritt wird das sehr saugfähige Gewebe mit dem Expoydharz durchtränkt und dieser durch Druckverbindungen eingepresst. Nach dem Austrocknen sind dann die Verbindungen belastbar. Die weiteren Vorgänge dienen der Veredelung und Langlebigkeit.

04.07. noch mehr Spachteln und Schleifen

Ziel ist es nun, homogene Oberflächen zu schaffen, um äußeren Einflüssen wie Regen und Schmutz eine geringe Angriffsfläche zu bieten und die spätere Pflege des Rads zu erleichtern. Der Rahmen bekommt jetzt aber auch sein endgültiges Finish. Je nach Gestaltungswunsch können der Spachtelmasse farbige Zuschläge beigemischt oder der natürliche „Look“ der eingesetzten Materialien verstärkt werden.

04.08. Lackieren

Als besonders robust haben sich farblose Bootslacke erwiesen. Der natürlichen Erscheinung des Bambus kommt aber ein seidenmatter, farbloser Autolack am nächsten. Dieser wird in mehreren Schichten aufgetragen und kann nach Jahren auch beliebig oft erneuert werden.

04.09. Montieren

Wenn der Motor in die Karosserie eingesetzt wird, spricht man im Autobau von „Hochzeit“. Ähnlich erhaben ist das Gefühl, wenn nun alle Teile zusammenkommen und aus Rahmen und Komponenten ein Fahrrad wird…

Alle fertigen Bamboo-Beix finden Sie unter